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Das Neugeborene immer auf dem Arm: Gewohnheit oder Notwendigkeit?
Was sagt die neuromotorische Entwicklung über die Verwendung von Tragehilfen wie Tragetüchern und Babytragen aus?

„Wenn du es immer auf dem Arm hältst, gewöhnt es sich daran.“
Das ist ein Satz, den viele frischgebackene Eltern immer wieder zu hören bekommen. Doch in den ersten Monaten ist das Suchen nach Kontakt zu Erwachsenen kein Laster:Es ist ein physiologisches Bedürfnis des Neugeborenen.
Im Arm gehalten zu werden, die Wärme, die Stimme, den Geruch und die Bewegung der Eltern zu spüren, kann ihm helfen, sich sicher zu fühlen und seine Gemütszustände nach und nach zu regulieren.
Aus Sicht der neuromotorischen Entwicklungstehen Kontakt und Autonomie zudemnicht im Widerspruch zueinander: Sie können Hand in Hand gehen.

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Beeinträchtigt das Tragen auf dem Arm die motorische Entwicklung?

Nein. Wir können dem Bedürfnis des Kindes nach Nähe gerecht werden und gleichzeitig seine motorische Entwicklung fördern.
Wenn das Kind getragen wird, kann es die Bewegungen des Erwachsenen wahrnehmen, ständige Positionswechsel erleben und zahlreiche sensorische Reize aufnehmen. Auch im Tragetuch oder in der Babytrage muss sich sein Körper an die Bewegungen des Trägers anpassen, was nach und nach zur Entwicklung der Körperhaltung beiträgt.

Diese Erfahrung geht Hand in Hand mit freier Bewegung: Im Laufe des Tages ist es wichtig, dem Kind auch Gelegenheiten zu bieten, seinen Körper selbstständig auf der Matte zu erkunden – auf dem Rücken liegend, auf dem Bauch liegend während der „Tummy Time“ und, wenn es älter wird, in den verschiedenen Positionen, die es nach und nach einnehmen kann. Es handelt sich um unterschiedliche und sich ergänzende Erfahrungen. Das Schlüsselwort lautetAbwechslung.

Tragetuch oder Tragegürtel?

Beide ermöglichen es, das Kind nah am Körper des Erwachsenen zu tragen, weisen jedoch unterschiedliche Eigenschaften auf.
DasTragetuchist eine weiche, umhüllende und sehr an den Körper des Kindes anpassbare Tragehilfe. Gerade deshalb eignet es sich besonders gut für die ersten Monate, in denen sich die Körperhaltung noch entwickelt.
DieTragehilfeist hingegen eine strukturiertere Tragehilfe. Heute gibt es ergonomische und verstellbare Modelle, die auch in den ersten Monaten verwendet werden können, sofern sie tatsächlich an die Größe des Kindes angepasst und richtig eingestellt sind.

In beiden Fällen gilt ein einfacher Grundsatz:Die Tragehilfe muss sich dem Kind anpassen, nicht das Kind an die Tragehilfe.

Die Oberschenkel sollten angemessen gestützt sein und die Hüften frei bleiben, um gebeugt und gespreizt zu bleiben, wobei die Knie in der Regel höher liegen sollten als das Gesäß, ohne dass krampfhaft eine vorgegebene Position angestrebt wird.

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 Und wie sieht es weltweit aus?

Die Position mit Blick nach vorne im Tragetuch oder in der Tragehilfeist nicht die, die ich normalerweise empfehle, vor allem in den ersten Monaten.

Einer der wertvollsten Aspekte des Babywearing ist gerade der KontaktBauch an Bauch und Herz an Herz: Das Kind spürt den Körper des Erwachsenen und kann seine Umgebung beobachten, wobei es die Eltern als Bezugspunkt behält – fast wie einen Filter, durch den es die Welt kennenlernt.

Es gibt auch einen haltungsbezogenen Aspekt. In den ersten Monaten weist die Wirbelsäule des Neugeborenen noch eine physiologische Gesamtkrümmung in Form einer Kyphose auf, und die Kontrolle über Kopf und Rumpf befindet sich noch in der Entwicklung. In der „Frontemondo“-Haltung neigt der Körper hingegen dazu, eine aufrechtere und weniger zusammengekauerte Position einzunehmen.

Das bedeutet nicht, dass das Kind nicht sehen kann, was vor ihm geschieht:Die „Fronte mondo“-Haltung können wir ihm in unseren Armen anbieten, wo wir die Position ständig anpassen, es entsprechend seinen Fähigkeiten stützen und es wieder zu uns heranziehen können, wenn es das Bedürfnis danach verspürt.

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Tragen ja, ohne dabei die Bewegungsfreiheit zu vergessen

Tragetuch und Tragehilfe können daher wertvolle Begleiter im Alltag sein und für das Kind selbst ein Erlebnis darstellen, müssen sich jedoch in einen Tag einfügen, der reich an verschiedenen Möglichkeiten ist.

Das Kind braucht Kontakt, aber auch Freiraum, um Arme und Beine frei zu bewegen, die Bauchlage zu erleben, nach einem Gegenstand zu greifen und, wenn es größer wird, sich zu rollen und fortzubewegen.

Man muss sich also nicht zwischenNähe und der Förderung der Selbstständigkeit entscheiden. In den ersten Monaten entsteht Selbstständigkeit nicht dadurch, dass man das Kind frühzeitig vom Erwachsenen entfernt, sondern indem man ihm Sicherheit bietet und ihm nach und nach immer neue Gelegenheiten gibt, seinen eigenen Körper zu entdecken.

Ein Hinweis zur Sicherheit

Unabhängig davon, für welche Stütze man sich entscheidet, muss diese dem Alter, der Größe und den Fähigkeiten des Kindes entsprechen und gemäß den Anweisungen des Herstellers verwendet werden.

Bei Säuglingen muss das Gesicht stets sichtbar und die Atemwege frei sein: Nase und Mund dürfen nicht bedeckt sein, und das Kinn darf nicht gewaltsam an die Brust gedrückt werden.

Arme, Tragetuch, Babytrage und Spielmatte sind daher keine Alternativen, zwischen denen man wählen muss, sondern unterschiedliche und sich ergänzende Erfahrungen, die das Kind bei der Entdeckung seines eigenen Körpers und der Welt um es herum begleiten.

Verfasst von Dr. Francesca Rocchi

Francesca Rocchi ist Kinderphysiotherapeutin und hat sich am Kinderkrankenhaus Meyer in Florenz auf die psychomotorische und muskuloskelettale Entwicklung im Kindesalter spezialisiert.

Sie arbeitet in Parma mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen und befasst sich mit der Beurteilung und Behandlung der motorischen und posturalen Entwicklung, Entwicklungsstörungen sowie Problemen des Bewegungsapparats.

Darüber hinaus unterstützt sie Eltern mit praktischen Tipps zum Alltag, zu motorischen Erfahrungen und zum Umgang mit Kinderausstattung. Sie führt Fortbildungen und Aufklärungsmaßnahmen zu den Themen Kinderphysiotherapie und psychomotorische Entwicklung durch.